Hercules
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Wohl kaum ein anderer Unternehmer in Deutschland hat sich mit fast allen Möglichkeiten der Fortbewegung auf Rädern so beschäftigt wie Günder der Firma Hercules Carl Marschütz. Der 1863 im mittelfränkischen Burghaslach geborene Carl bekam als 15jähriger eine Draisine geschenkt, die ihn faszinierte. 1882 lernte Marschütz den Nürnberger Mechaniker Eduard Pirzer kennen, der Hochräder herstellte und verkaufte, und brachte ihn mit seinem Arbeitgeber, dem jüdischen Unternehmer Joseph Goldschmidt in Neumarkt in der Oberpfalz, zusammen. 1884 wurde unter dem Namen „Goldschmidt & Pirzer“ die erste Fahrradfabrik auf dem europäischem Festland gegründet, die nach dem Ausscheiden Pirzer’s den Namen „Express-Fahrradwerke Aktiengesellschaft“ erhielt. Carl Marschütz betrieb anfangs eine Filiale zum Verkauf und Reparatur der in Neumarkt hergestellten Zweiräder, gründete aber im April 1886 die „Velozipedfabrik Carl Marschütz & Co.“ in Nürnberg und benannte sie 1887 in „Nürnberger Velozipedfabrik Hercules“ um. In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen stürmisch, 1896 wurden mit ca. 250 Arbeitern bereits 6 500 Fahrräder produziert. 1905 versuchte sich das Unternehmen dann zum ersten mal auch mit der Herstellung von Motorrädern, stellte dies aber bereits 1907 wieder ein. Erst nachdem 1928 in Deutschland die Steuerpflicht für Motorräder unter 200 cm³ entfiel und man diese auch ohne Führerschein fahren konnte, war es wirtschaftlich sinnvoll, die Produktion wieder aufzunehmen.
Bereits ab 1897 stellte die Frima auch Lkws her, zuerst mit Elektromotorenantrieb, ab 1905 dann mit eigenentwickelten Verbrennungsmotoren. 1928 zog man sich aus dieser Sparte zurück. Noch kürzer war der Ausflug in das Reich der Automobile, von 1932 bis 1937 wurde in geringer Stückzahl ein Dreirad-Zweisitzer produziert, der mit einem Einbaumotor von ILO mit 200 cm³ Hubraum angetrieben wurde. Aber zurück zu den Zweirädern. Ab 1930 bezog Hercules die Motoren von Fichtel & Sachs (F & S) in Schweinfurt und wurde führend im Bereich der leichten Motorräder mit einem Hubraum bis zu 200 cm³ und Fahrrädern mit Hilfsmotor. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden die Werke arisiert, Carl Marschütz und sein Bruder Heinrich, der bereits 1887 als kaufmännischer Leiter in das Unternehmen eingetreten war, mussten ihre Anteile an dem Unternehmen weit unter Wert verkaufen. Carl Marschütz emigrierte nach Kalifornien, wo er 1957 in Los Angeles verstarb.
Nach dem II. Weltkrieg, während dem die Fabrik in Nürnberg durch Fliegerangriffe zu 75 % zerstört worden war, demontierten die Amerikaner die Maschinen und verkauften sie ins Ausland. 1946 begann man mit der Herstellung von Fahrrädern, ab 1949 wurde die Motorradproduktion wieder aufgenommen. War zu Anfang die Dresdner Bank neuer Eigentümer, so übernahm 1956 die Nürnberger Grundig AG das Unternehmen. Nur zwei Jahre später erwarb Fichtel & Sachs über Strohmänner den Traditionsbetrieb, der 1987 dann vom Mannesmann – Konzern übernommen wurde. 1995 ging die Fahrradsparte von Hercules an den niederländischen Accell-Konzern, die Produktion von Motorrädern setzte man unter dem Namen „SACHS Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH“ fort, die 1998 an die niederländische Winning Wheels Gruppe verkauft wurde. 2001 übernahm eine Gruppe von Hercules-Managern die Reste des Unternehmens, die Motorräder werden seitdem in China produziert und unter dem Namen „Sachs Bikes“, seit 2008 als „SFM-Bikes“ verkauft.
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